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Ruhr Museum | _Archiv 2021: Entwürfe für ein Einwanderungsdenkmal auf Zollverein

Ausstellung

Entwürfe für ein Einwanderungsdenkmal auf Zollverein

Kohlenwäsche, 24-Meter-Ebene
bis 31. Oktober 2021

Idee und Konzept

Parallel zur Sonderausstellung "Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990. Fotografien von Ergun Çağatay" wurden auf der 24-Meter-Ebene der Kohlenwäsche vom 21. Juni bis 31. Oktober 2021 Entwürfe für ein Einwanderungsdenkmal auf Zollverein präsentiert. Die Stiftung Zollverein griff hier eine Idee der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, auf. Beim 14. Europäischen Kulturmarken-Award 2019 ebenfalls auf Zollverein formulierte Müntefering in ihrem Grußwort: „Um die Leistung dieser Menschen, ihrer Kinder und Kindeskinder, zu würdigen, wäre es eine gute Geste, wenn wir diesen Menschen, die längst Teil unseres Landes geworden sind, hier in unserer Mitte ein Denkmal errichten.“

Das Denkmal wird Menschen aus allen Nationen gewidmet sein, die nach Deutschland kamen, um Arbeit zu finden. Die von Dr. Necmi Sönmez kuratierte Präsentation zeigte die Entwürfe von sechs zeitgenössischen Künstler*innen: Ulf Aminde (Berlin) & Manuel Gogos (Bonn), Özlem Günyol & Mustafa Kunt (Frankfurt am Main), Claus Föttinger (Düsseldorf), missing icons (Hamburg), Nasan Tur (Berlin) und Iskender Yediler (Berlin). Die Besucher*innen waren eingeladen, die Entwürfe zu kommentieren und diskutieren. Die Präsentation diente als Grundlage für die weiteren Schritte hin zu einem Denkmal für die Arbeitsmigration nach Deutschland auf Zollverein.

 

Die Künstler*innen

Für die Auswahl der sechs zeitgenössischen Künstler*innen waren folgende Punkte für Dr. Necmi Sönmez von größter Bedeutung: „Auf jeden Fall habe ich in ihren Arbeiten und ihrem Werdegang die Thematisierung der multikulturellen Themen mit Blick auf Migration, Einwanderung und gesellschaftlichen Wandel gesucht und gefunden.“

Darüber hinaus spielte ihre Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Handlungsprozessen eine entscheidende Rolle. Auch ihre Entwicklung einer persönlichen, künstlerischen Signatur, die Fragen hinsichtlich von Teilnahme und sozialem Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft zum Ausdruck bringen, waren Voraussetzungen für die Kontaktaufnahme mit den Künstler*innen.

 

Ulf Aminde, Berlin

Ulf Aminde (*1969) ist ein in Berlin lebender Künstler und Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Amindes künstlerische Praxis verhandelt meist den öffentlichen Raum und erörtert gesellschaftlich relevante Fragestellungen mittels Fotografie, Zeichnung, Film und Performance. 2020 realisierte er mit dem Autor und Kurator Manuel Gogos und der Autorin Svenja Leiber das erste transnationale Denkmal für Migration, STRASSE DER ARBEIT – Denkmal der Migration. www.ulfaminde.com

 

Dr. Manuel Gogos, Bonn

Dr. Manuel Gorgos (*1970) ist freier Journalist, Kurator, Radiofeature-Autor, Essayist und Filmemacher. Als Aussstellungsmacher ist er spezialisiert auf die Musealisierung der Migration. Zuletzt als kuratorische Beratung für das Ausstellungsprojekt Vor Ort – Fotogeschichten zur Migration, Museum Ludwig, Köln. Er realisierte mit dem Künstler Ulf Aminde das erste transnationale Denkmal für die Migration Straße der Arbeit in Engelskirchen. www.geistige-gastarbeit.de

 

Özlem Günyol & Mustafa Kunt, Frankfurt am Main

Özlem Günyol (*1977) und Mustafa Kunt (*1978) arbeiten seit 2007 zusammen in Frankfurt am Main. Sie haben an der Hacettepe Üniversitesi in Ankara studiert und an der Frankfurter Städelschule abgeschlossen, Günyol als Meisterschülerin bei Ayşe Erkmen, Kunt bei Wolfgang Tillmans. In ihren Arbeiten zu gesellschaftspolitischen und historischen Themen untersuchen sie die Bedeutung von Sprache und Symbolen in kulturell unterschiedlichen Diskursen von Macht und Autorität. Für ihre künstlerisch präzise austarierten und medial vielseitigen Installationen mit skulpturalen Objekten, Print, Video und Zeichnung wurde das Künstlerduo bereits mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem von der Stiftung Kunstfonds gestifteten HAP-Grieshaber-Preis 2017 der VG Bild-Kunst .

 

missing icons, Hamburg

2017 gründeten Andrea Knobloch (*1961) und Ute Vorkoeper (*1963) das Label „missing icons“, das sie seit 2009 durch Beteiligungen an Kunst-am-Bau-Wettbewerben, Ausstellungen und Kunstprojekte im öffentlichen Raum entwickelt haben. Der Name „missing icons“ ist Programm für die Ergebnisse ihres bildnerisch-bildhauerischen Denkens und Handelns in öffentlichen Räumen und Gebäuden. www.missingicons.de

 

Nasan Tur, Berlin

Nasan Tur (*1974) arbeitet in einem Zwischenbereich zwischen dem öffentlichen und dem Galerieraum und schöpft sein Material aus Botschaften und Spannungen, die er im urbanen Umfeld findet. Seine Arbeiten kommentieren direkt oder indirekt die Konflikte und das Scheitern von Ideologien. Tur hat derzeit eine Professur im Postgraduiertenstudiengang Raumstrategien an der Kunsthochschule Weißensee, Berlin, inne. Er nahm an der documenta14, an der 10. Istanbul Biennale und an der 6. Taipei Biennale teil und stellte in zahlreichen Institutionen wie Palais de Tokyo, Centre Pompidou Paris, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Hamburger Bahnhof Berlin aus. www.nasantur.com

 

Claus Föttinger, Düsseldorf

Claus Föttinger (*1960) Von 1982 bis 1989 studierte er Freie Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Der Erinnerung und biographischen Verortung eine erlebbare und ästhetisch entsprechende Form zu geben, ist der wichtigste Teil seiner Arbeit. Föttinger war bei der Gruppenausstellung „Come in“ des IFA Instituts mit der Arbeit „Hermann’s Döner Inn“ vertreten, die Ausstellung tourte von 2001 bis 2016 in 4 Kontinenten. 2004 wurde er vom Fritz Bauer Institut zu der Ausstellung „Ausschwitz – Prozess 4 Ks 2/63“ mit der Arbeit „Club BRD“ eingeladen und hat 2014 für die deutsche Fußballnationalmannschaft die WM-Bar in Campo Bahia, Brasilien konzipiert und vor Ort gebaut.

 

Iskender Yediler, Berlin

Iskender Yediler (*1953), er kam 1963 nach Deutschland. Von 1981 bis 1983 studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München, anschließend besuchte er bis 1987 die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf. Seit Anfang der neunziger Jahre arbeitet Yediler an seinem offenen skulpturalen Vokabular, das sich auf die Pop-Ikonographie, skurrile Eigenschaften des Alltagslebens und die moderne Mythologien bezieht. www.yediler.de