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Information

Nachruf auf Gerdt Schraven

Januar 2022
Gerdt Schraven im Halbachhammer
Copyright: Funke Foto Service

Das Ruhr Museum trauert um seinen langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiter Gerdt Schraven, der unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit mit 84 Jahren am zweiten Weihnachtstag verstorben ist. Fast 20 Jahre lang hat Gerdt Schraven sich um die technische Instandhaltung der Essener Wasserhämmer gekümmert. Für diese Tätigkeit war er geradezu ideal ausgebildet: als gelernter Modellschreiner und studierter Maschinenbauingenieur und Physiker verband er auf spielerische Weise Handwerk und Technikwissenschaften. In dieser Mehrfachqualifikation war er zu aktiven Berufszeiten Leiter der Anwendungstechnik bei Krupp Widia.

 

Das Credo der Nerother Wandervogelbewegung "Geht in die Welt und kehrt mit einem Lied zurück", verbunden mit einer besonderen Verantwortung für Natur und Umwelt prägten den jungen Gerdt Schraven, der in den 1950er Jahren an dem Wiederaufbau der Burg Waldeck im Hunsrück beteiligt war. Seine Auffassung, dass bürgerschaftliches Engagement stets unentgeltlich zu betreiben sei, bildete sich in diesem Umfeld und zu dieser Zeit aus. Gerdt Schravens Arbeitsverständnis war darüber hinaus geprägt von der Kruppschen Ausbildungsmaxime "Schönheit der Arbeit", was bedeutete, dass ein Werkstück nicht nur in technischer Hinsicht optimal zu funktionieren, sondern darüber hinaus auch hohen ästhetischen Fertigungsqualitäten zu genügen habe.

 

Von dieser Philosophie wurde auch seine Arbeit an den beiden Essener Wasserhämmern geleitet. Ohne Gerdt Schraven würde der Halbachammer heute nicht unter Wasser laufen, noch wäre die historische "Frischfeuertechnik" erfolgreich rekonstruiert worden. Alle Arbeiten wurden von ihm im Sinne des "Essener Konsens" mit Hilfe eines unkonventionellen Netzwerks von Unterstützern u. a. mit den Ausbildungswerkstätten der Jugendberufshilfe umgesetzt. Gerdt Schraven hat es dabei auch verstanden, kritische Stimmen mit sachlichen Argumenten und dem "Prinzip der freundlichen Beharrlichkeit" zu überzeugen. In der Ausbildung von Jugendlichen, war es ihm ein Anliegen zu vermitteln, dass ausnahmslos jeder über Talente verfügt, die es zu entdecken, zu fördern und weiterzuentwickeln gilt. Sein letztes unvollendetes Projekt war seit 2017 die Instandsetzung der historischen Technik des Deilbachhammers. Nahezu im Alleingang hat er wesentliche Teile der Arbeit bereits erledigt. Das Ruhr Museum wird das "Multitalent" Gerdt Schraven nicht ersetzen können, versteht es aber als Auftrag, die zukünftige Erhaltungsarbeit an den Essener Wasserhämmern in seinem Sinne fortzuführen.

 

Wir vermissen ihn sehr.