
Eine Ausstellung des Zweitzeugen e. V. in Kooperation mit dem Ruhr Museum. Im Rahmen des Projektes HOLO-VOICES des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Technischen Universität Dortmund. Gefördert durch die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie die Brost-Stiftung.
Die Ausstellung "Unter Tage. Unter Zwang. NS-Zwangsarbeit im Ruhrbergbau" zeigt im Erdgeschoss der Halle 8, wie Zwangsarbeit im Ruhrbergbau funktionierte und was es für die Betroffenen bedeutete. Sie erzählt von Ausgrenzung, Ausbeutung und Gewalt – aber auch davon, dass die Erinnerungen an dieses Leid lange ignoriert wurden.
Weil Steinkohle als kriegswichtiger Schlüsselrohstoff galt, der insbesondere in der Stahl- und Rüstungsindustrie sowie für die Energieversorgung essentiell war, kam es schon bald nach Kriegsausbruch zum Einsatz von Zwangs- und "Fremdarbeitern" im Bergbau. Der personalintensive Steinkohlenbergbau des Reviers wurde ab 1942 zu einem Hauptabnehmer für Zwangsarbeiter, welche die zur Wehrmacht einberufenen Kumpel ersetzen sollte. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen hunderttausender Zwangsarbeiter, die zumeist aus Osteuropa stammten, waren äußert hart. Oftmals unter katastrophalen hygienischen Bedingungen in behelfsmäßigen Barackenlagern untergebracht, sahen sie sich willkürlichen Misshandlungen sowie einer strengen Lagerdisziplin ausgesetzt. Unterernährung und Hunger führten angesichts der extrem harten Arbeit unter Tage nicht selten dazu, dass die Männer krank wurden; Todesfälle wurden von den Zechenleitungen zumeist billigend in Kauf genommen. Die Ausstellung beleuchtet einerseits die kriegswirtschaftliche Bedeutung von Zwangsarbeitern im Ruhrbergbau und zeigt die Anwerbung und Verschleppung der Menschen. Andererseits werden auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Zwangs- und "Fremdarbeitern", ihre Schicksale sowie ihre Befreiung und späte Entschädigung ab dem Jahr 2000 thematisiert.
ZWEITZEUGEN e. V. schafft Zugänge zur Geschichte des Nationalsozialismus und sensibilisiert gleichzeitig für Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung. In Bildungsprojekten, Veranstaltungen und auf digitalen Lernplattformen lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene die persönlichen Lebenswege von Überlebenden kennen und übernehmen Verantwortung für ein offenes, vielfältiges und demokratisches Miteinander.
Das Projekt HOLO-VOICES wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Technische Universität Dortmund realisiert. Ziel ist es, die Stimmen von Überlebenden des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren und neue, unmittelbare Zugänge zur Geschichte des Holocaust zu eröffnen. Mithilfe fotorealistischer, dreidimensionaler Hologramme und KI-gestützter Interaktivität können Besucherinnen und Besucher in einen direkten Dialog mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen treten. Fragen werden gestellt, Antworten stammen ausschließlich aus originalen, zuvor aufgezeichneten Interviews und werden unverändert wiedergegeben. So entsteht eine persönliche und eindrucksvolle Begegnung, die Empathie fördert und historisches Verständnis vertieft. HOLO-VOICES lädt dazu ein, selbst zu Zweitzeuginnen und Zweitzeugen zu werden und die Erinnerung weiterzutragen.
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