10 €, ermäßigt 7 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schüler:innen und Studierende unter 25 Jahren Eintritt frei

Eine Reise in eine Welt zwischen Kälte und Wärme, Anpassung und Aussterben: Mit der Sonderausstellung »überLeben in der Eiszeit« wird das Ruhr Museum auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zum Schauplatz des ersten Teils der Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein Westfalens. Inmitten der eindrucksvollen Industriekulisse der ehemaligen Kohlenwäsche eröffnet sich den Besuchenden ein faszinierender Blick auf die vergangenen 2,6 Millionen Jahre Erdgeschichte in der Region.
Über 350 Exponate – darunter spektakuläre Originalfunde wie der Mammutschädel von Haltern, lebensgroße Tier-Rekonstruktionen und seltene Zeugnisse eiszeitlicher Pflanzenwelt – erzählen vom Leben und Überleben in einer Zeit dramatischer Klimaveränderungen. Zusammen mit multimedialen Inszenierungen und eindrucksvollen Animationen wird sichtbar, wie eng Natur, Klima und Mensch miteinander verwoben sind.
Die Ausstellung schlägt dabei bewusst die Brücke in die Gegenwart: Dabei zeigt sie, wie frühere Umweltveränderungen das Leben geprägt haben und stellt zugleich die drängende Frage, wie der Mensch heute mit dem Klimawandel umgeht. Damit verbindet »überLeben in der Eiszeit« wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem hochaktuellen gesellschaftlichen Thema.
Film: GUCC
Auf Initiative des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen findet zum ersten Mal im Bundesland eine Paläontologische Landesausstellung statt. Von April 2026 bis September 2027 lädt sie zu einer einzigartigen Zeitreise durch die Erdgeschichte ein: Unter dem Titel »überLeben« verzahnen sich in den drei Landesteilen Rheinland, Westfalen und Lippe drei spannende Einzelausstellungen in Essen, Münster und Detmold. Sie zeigen, wie sich das Leben über Millionen von Jahren in Nordrhein Westfalen verändert hat und stellen dabei den reichen paläontologischen Sammlungsschatz des Bundeslandes ins Rampenlicht. Jede Ausstellung beleuchtet dabei eine andere erdgeschichtliche Epoche. Im Mittelpunkt stehen stets das Leben und Überleben von Pflanzen, Tieren und später auch Menschen. Spektakuläre Fossilfunde warten auf Besuchende. Highlights sind der größte Raubsaurier Deutschlands – zu sehen im LWL-Museum für Naturkunde in Münster –, der Wal von Kervenheim – ausgestellt im Lippischen Landesmuseum Detmold – und der Schädel des Halterner Mammuts – zu bestaunen im Ruhr Museum in Essen.
Ministerin Ina Scharrenbach MdL: »Riesen, Spuren, Geheimnisse – Paläontologie zum Staunen und Entdecken: Eine Reise an die Grenze unseres Wissens, dorthin, wo Wissenschaft beginnt, Vergangenes sichtbar zu machen und neue Rätsel freizulegen. Eine Reise in die Urzeit für alle, die sich fragen, wie unsere Welt einmal war – und was sie uns heute noch erzählt.«
Weitere Informationen zur Landesausstellung unter: www.landesausstellung.nrw
In der einmaligen Industriekulisse der Kohlenwäsche auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zeigt das Ruhr Museum in seiner neuen Sonderausstellung »überLeben in der Eiszeit« die vielfältigen Lebenswelten der Region während des quartären Erdzeitalters und spannt einen Bogen zum Einfluss des Menschen auf das Klima in der Gegenwart. Vom 20. April 2026 bis zum 10. Januar 2027 gibt die Ausstellung in den spektakulären Kohlenbunkern auf der 12-Meter-Ebene mit über 350 spannenden Exponaten und packenden Animationen Einblicke in das Leben und Überleben in der Eiszeit.
Dietmar Osses, stellvertretender Direktor des Ruhr Museums, erläutert: »Die Ausstellung lädt dazu ein, die faszinierende Welt der Eiszeit in unserem Land mit ihrer überraschenden Vielfalt und dem beeindruckenden Wandel zu erleben. Sie zeigt, wie sich Pflanzen, Tiere, und Menschen an extreme Veränderungen angepasst haben – und welche Fragen sich daraus für die Gegenwart und Zukunft ergeben.«
Die fünf Kapitel Landschaft, Pflanzenwelt, Tierwelt, Menschen und Klima, welche von einem Prolog und Epilog eingerahmt werden, offenbaren die überraschende Vielfalt des Eiszeitalters, das mit seinen verschiedenen Kalt- und Warmzeiten in den vergangenen 2,6 Millionen Jahren die Region gestaltet hat:
Landschaft
Während der eiszeitlichen Kaltzeiten war der Norden des heutigen Nordrhein-Westfalens von einem über 100 Meter dicken Eispanzer bedeckt. In den Warmzeiten bot das Klima beste Voraussetzungen für die Entwicklung einer vielfältigen Flora und Fauna. Die Gletscher gaben der Landschaft ihre heutige Gestalt, ihr Schmelzwasser formte die Flussläufe. Aus mit dem Wind transportierten Partikeln entstanden Lösslandschaften und Sanddünenfelder, Erosion erzeugte in Kalkgestein weit verzweigte Höhlensysteme. Während der Warmzeiten entstanden an Rhein, Lippe und Ems ausgedehnte Auenlandschaften und Moore. Die Ausstellung greift populäre Bilder der Eiszeit auf und stellt ihnen wissenschaftlich fundierte Rekonstruktionen und beeindruckende Animationen eiszeitlicher Landschaften der Kalt- und Warmzeiten gegenüber.
Tier- und Pflanzenwelt
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine beeindruckende Parade eiszeitlicher Tiere. Originale Knochenfunde, ganze Skelette, lebensechte Dermoplastiken und Modelle zeigen die Vielfalt und die Anpassung der Tiere an das Klima. Hier treffen das fellgeschützte Wollnashorn und das Mammut auf das wärmeliebende Waldnashorn und das Flusspferd, der Riesenhirsch auf die Höhlenhyäne. Der Wechsel der Klimaverhältnisse veränderte während des Eiszeitalters grundlegend den Lebensraum der Pflanzen und Tiere. Anpassen oder Ausweichen in andere Regionen waren Möglichkeiten, das Überleben der Spezies zu sichern. Viele Arten starben jedoch aus.
Von der eiszeitlichen Pflanzenwelt der Region zeugen in der Ausstellung originale mikroskopisch kleine eiszeitliche Pollen, aber auch die mächtige Wurzel und der beeindruckende Stamm einer zwölftausend Jahre alten Kiefer.
Vom Menschen und Klima
Seit 350.000 Jahren leben Menschen an Rhein und Ruhr. Mit der Nutzung von Werkzeugen, der Herstellung von Kleidung und der Herausbildung von Kulturtechniken konnten sie sich an die wechselnden Klimaverhältnisse anpassen. Homo heidelbergensis und Neandertaler starben aus, während der anatomisch moderne Mensch als einzige Menschenart überlebte.Seit rund 200 Jahren wird die Eiszeit wissenschaftlich erforscht. Aktuelle Erkenntnisse zeigen deutlich, wie sich das Klima über 2,6 Millionen Jahre zyklisch ändert und dass der gegenwärtige Klimawandel mit deutlich steigenden Temperaturen von Menschen gemacht ist.
2,6 Millionen Jahre eiszeitliches Leben und Landschaftsformung haben in Nordrhein-Westfalen unterschiedlichste Zeugnisse hinterlassen. Die Ausstellung zeigt repräsentative Leihgaben aus den Sammlungsbeständen mehrerer Universitäten und Museen sowie der Bodendenkmalpflege der Landschaftsverbände, dem Geologischen Dienst und von Privatpersonen aus Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus wird sie durch Objekte von Institutionen und Privatpersonen aus anderen Bundesländern sowie aus dem Ausland bereichert.
Neben Fossilien, Gesteinen und Artefakten kommen auch Modelle, Audio-, Bild- und Videoformate, Bücher, museumspädagogische Stationen und Kunstwerke zum Einsatz. Erstmals präsentiert das Ruhr Museum zudem wissenschaftlich fundierte Landschaftsanimationen des Ruhrtals während einer eiszeitlichen Kalt- und einer Warmphase.
Die Dimensionen dieser Objekte reichen von mikroskopisch kleinen Pflanzenresten bis zu den spektakulären, mehrere Meter großen Skeletten und Lebendrekonstruktionen der eiszeitlichen Tierwelt. Stark vergrößerte REM-Aufnahmen eiszeitlicher Pollen öffnen den Blick in die zeitlose Schönheit der mikroskopischen Pflanzenwelt, aus denen ganze Lebensräume rekonstruiert werden können.
Gleich zu Beginn der beeindruckenden eiszeitlichen Tierparade treffen die Besuchenden auf eines der Highlight-Objekte – den Mammutschädel von Haltern. Der Schädel, der 1975 bei Bauarbeiten im Münsterland entdeckt wurde, gehört zu den am besten erhaltenen Mammutschädeln Europas.
Ein weiteres »Mammutobjekt« stammt aus der Balver Höhle, einem der wichtigsten Eiszeitarchive Nordrhein-Westfalens. In den 1930er-Jahren stießen Forschende auf die Reste eines außergewöhnlichen Fundes: den stark zerdrückten Stoßzahn eines männlichen Wollhaarmammuts. Er gehört bis heute zu den größten bekannten Mammutstoßzähnen.Der berühmte Unterkiefer von Mauer bei Heidelberg gilt weltweit als einer der wichtigsten Funde einer fossilen Menschenart. Nach seinem Fundort bei Heidelberg wurde die ganze Menschenart Homo heidelbergensis benannt.
Das mit Abstand älteste Objekt der Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen ist mit einem Alter von über eine MilliardeJahren ein Granit-Findling, der vor 200.000 Jahren durch Inlandeis von Finnland bis ins heutige Ruhrgebiet transportiert wurde.
Beim erdgeschichtlich jüngsten Objekt handelt es sich um ein konserviertes Eiskristall aus der zentralen Arktis, der 2019 anlässlich der internationalen MOSAIC-Expedition geborgen wurde.
Die eiszeitlichen Tierfährtenvon Bottrop gelten als besonders spektakuläre Funde von Weltrang. In digitaler Form präsentiert die Ausstellung ein Teilstück der beeindruckenden, etwa 150 Quadratmeter großen Bottroper Fährtenplatte, auf der über 600 rund 40.000 Jahre alte Trittsiegel nachgewiesen sind.
Dass auch Caspar David Friedrich die »Kleine Eiszeit« festgehalten hat, zeigt die vergrößerte Reproduktion seines Gemäldes »Frau vor der untergehenden Sonne« von 1818. Das besondere Lichtspiel in dem Werk könnte aus naturwissenschaftlicher Sicht die Folgen des Ausbruchs des Vulkans Tambora festhalten.
Den Ausstellungsbereich zum Einfluss der Menschen auf das Klima schließt die fast vier Meter lange Hülle einer Nuklearwaffe aus dem Kalten Krieg ab. Sie steht symbolisch für die Möglichkeit der Menschen, per Knopfdruck einen weltweiten atomaren Krieg mit der Folge eines nuklearen Winters und einer neuen Eiszeit auszulösen.
Eindrucksvolle Exponate aus dem Industriezeitalter und die multimediale dokumentarische Installation »Crying Glacier« zum Schmelzen der Alpengletscher geben Raum zum Nachdenken und Mitmachen: Wie sichern wir Menschen das Überleben auf unserem Planeten?
Die Ausstellung auf der 12-Meter-Ebene der Kohlenwäsche nutzt die markanten Bunkerwände als eindrucksvolle Kulisse. Im Zentrum steht eine über zwanzig Meter lange eiszeitliche Tierparade mit Skeletten und Rekonstruktionen aus verschiedenen Klimazonen. Vordergründig stehen die Skelette, dahinter die rekonstruierte Erscheinung der Tiere. So entsteht ein »Röntgenblick«, der die Strukturen des Lebens offenbart. Wechselnde Blickachsen schaffen ein spannungsreiches Erleben zwischen Näheund Distanz.
Im Sinne eines »Netzes des Lebens« werden Pflanzen, Tiere und Menschen gleichwertig dargestellt. Eine reduzierte Gestaltung in dunklen Tönen rückt die Exponate in den Fokus, während gezielte Farb- und Lichtakzente besondere Stationen hervorheben, wie die Gastobjekte, die nicht aus Nordrhein-Westfalen stammen und die Hands-on-Stationen.
Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des Ausstellungskonzepts: Zahlreiche Elemente wie Vitrinen, Rückwände und Medientechnik stammen aus dem Bestand des Ruhr Museums und wurden ressourcenschonend wiederverwendet. So verbindet die Gestaltung inhaltliche Aussage und verantwortungsvollen Umgang mit Materialien.
Projektionen und Animationen erweitern die Perspektiven, die »Paläo-Lounge« lädt zur Reflexion ein. So entsteht ein Erlebnisraum, der Wissenschaft, Architektur und Atmosphäre wirkungsvoll verbindet.
Für die Ausstellungsarchitektur und den Ausstellungsbau ist Dr. Ulrich Hermanns Ausstellung Medien Transfer GmbH aus Münster verantwortlich.
Zur Sonderausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt. Es richtet sich an Kinder, Erwachsene, Familien, Senior:innen, Menschen mit und ohne Behinderung, Schüler:innen und Studierende, Lehrende, Schulklassen und Gruppen. Neben verschiedenen Führungsformaten, Workshops und Exkursionen vermitteln spannende Vorträge, Diskussionsrunden und Lesungen die Geheimnisse der Eiszeit. Eine Übernachtung im Museum, ein Spieletag sowie ein Sommerfest und ein Science Slam runden das Angebot ab.
Besonders hervorzuheben ist die interaktive Rallye-App »überLeben – 3 Museen 1 Reise«, mit der Besuchende in den drei Museen der Landesausstellung spielerisch die Erdgeschichte entdecken können. Im Ruhr Museum führt die Expedition in die Eiszeit. Die kostenfreie Audioguide-App des Ruhr Museums führt zu 25 Highlight-Objekten der Ausstellung und vermittelt in rund 60 Minuten spannende Geschichten, Hintergründe und überraschende Perspektiven.
Alle Veranstaltungen finden sich im Programmheft sowie unter www.ruhrmuseum.de/eiszeitprogramm
1 Std., in Deutsch und Englisch
Eine interaktive Tour mit dem neugierigen Alien Gidluk und 13 Rätsel- und Spiel-Stationen. www.wonderl.ink/@ueberleben
168 Seiten, mit mehr als 130 Abbildungen
Isensee Verlag, Oldenburg 2026
Preis: 20 €
ISBN 978-3-7308-2264-7
Weitere Informationen zur Ausstellung und dem umfangreichen Begleitprogramm finden Sie hier als PDFs zum Download:
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Führungen und weitere Angebote finden Sie in unserem Kalender:
Kostenlose Audioführung auf Deutsch oder Englisch durch die Ausstellung:
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