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Ruhr Museum | Vormoderne Geschichte

Die vormoderne Sammlung

Die vormoderne Sammlung gehört zu den ältesten Sammlungen des Ruhr Museums. Ihre Geschichte geht zurück auf die Gründung des Museums, als sich die Bürger der Stadt Essen anschickten, die Relikte einer durch die Industrialisierung bedrohten Welt zu sammeln und sich ihrer Traditionen und Identitäten zu vergewissern. Insofern ist die vormoderne Sammlung zumindest in ihren Ursprüngen auch die regionalste, ja die lokalste des Museums. Sie verbindet sich am ehesten mit dem Begriff »Heimat«, vermittelt Vertrautheit und Zugehörigkeit und wurde jahrzehntelang im »Ruhrland- und Heimatmuseum« der Stadt Essen gezeigt. In gewisser Weise ist die vormoderne Sammlung aber auch die fremdeste des Museums. Sie beinhaltet Objekte, die uns durch die zeitliche Distanz zu ihrem Ursprung, ihrer Funktion und ihrem Bedeutungszusammenhang nicht mehr vertraut sind und den Charakter von ethnologischen Stücken annehmen, als Zeugnisse von nicht räumlich, aber zeitlich weit entfernten Kulturen. Insofern verkörpert die vormoderne Sammlung des Museums die beiden kategorialen Möglichkeiten des Museums zugleich: Sie ist Identifikationsangebot und Heterotop in einem.

Die vormoderne Sammlung ist auch die heterogenste des Museums. Sie spiegelt die wechselhafte, über einhundertjährige Geschichte des Museums wider, wurde nur in kurzen Phasen systematisch zusammengetragen, hat die vielleicht größten Verluste verkraften müssen und wurde vor allem im Zweiten Weltkrieg stark dezimiert. Deshalb existieren nur in geringem Maße geschlossene Konvolute, systematische Reihen oder sinnvolle Vergleichsstücke. In den meisten Fällen handelt es sich um Einzelstücke, diese aber aus unterschiedlichsten Gattungen, Genres, Funktions- und Gebrauchszusammenhängen vom Frühmittelalter bis zum Ende der Frühen Neuzeit am Vorabend der Industrialisierung.

Und schließlich ist die vormoderne Sammlung eine der wertvollsten des Ruhr Museums. Dies liegt zum einen am materiellen und kunst- oder kulturhistorischen Wert der einzelnen Stücke, es gilt aber auch im übertragenen Sinne. Seitdem sich der Blick auf die Regionalgeschichte des Ruhrgebiets in immer stärkerem Maße über die Zeit der Industrialisierung hinaus auf weiter entfernte Epochen ausdehnt, ist die vormoderne Sammlung zunehmend ein Nukleus für neue Fragestellungen. Das Ruhr(land)Museum hat in zahlreichen Sonderausstellungen zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten und in seiner Dauerausstellung auf Zollverein diese Zeit immer wieder thematisiert.

Zum Nachlesen

Informationen zum Sammlungskatalog "Vormoderne im Ruhr Museum" gibt es hier.

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Vormoderne im Schaudepot

Große Teile der Vormodernen Sammlung sind ab dem 27.6.2021 im Schaudepot im Rahmen einer Führung zu sehen.

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